Die ehemalige Synagoge, Drensteinfurt
Synagoge
Synagoge












In der Kirchgasse, einer schmalen Verbindung zwischen dem Kirchplatz St. Regina und der Münsterstraße, liegt ein unscheinbarer Backsteinbau, der der kleinen jüdischen Gemeinde im Ort in der Zeit von 1874 bis in die Zeit des Nationalsozialismus als Synagoge diente.

Das auf einer fast quadratischen Grundfläche errichtete Gebäude steht direkt fast auf den grenzen zu den benachbarten Grundstücken. Zur Gasse befindet sich der Eingang, der von einem rundbogigen aus Sandstein bestehenden Rahmen begrenzt wird. Oberhalb der zweiteiligen Tür, die aus Eichenholz besteht, stark profiliert ist und in Form, Farbgebung und Gestaltung den Kirchentüren der Pfarrkirche St. Regina entspricht, wurde in die Sandsteinrahmen eine hebräische Inschrift eingemeißelt, die übersetzt folgenden Wortlaut beinhaltet: "Dies ist die Tür zu ihm, zu Gott, Fromme mögen durch sie hindurchkommen."

Das Innere der ehemaligen Synagoge besteht aus einem großen Kultraum, der durch einen kleinen Vorraum, von dem die Treppe zur im Westen liegenden Frauenempore ausgeht, betreten werden kann.

Einrichtungsgegenstände bis auf die festmontierte hölzerne Empore, die farblich vor allem durch einen roten Anstrich hervorgehoben wurde und die von zwei hölzernen Säulen getragen wird, aber auch in der Westwand verankert ist, sind nicht erhalten geblieben.

Eine ursprünglich ebenfalls bemalte Holzdecke trennt den Dachstuhl vom Kultraum ab.

Die Geschichte der Drensteinfurter Synagoge geht in das Jahr 1870 zurück. Die jüdische Gemeinde, die aus 7 Familien mit insgesamt 32 Personen bestand und über den Stadtkern verteilt wohnte, erwarb am 4. Juli 1870 vom Schuster Thedor Klaverkamp den hinter dem Haus an der Münsterstraße gelegenen Obstgarten. 1874 wurde dort auf der kleinen Parzelle die schlichte Synagoge errichtet, der lediglich an der hebräischen Inschrift die Funktion anzusehen war. Während der sogenannten Reichskristallnacht am 9./10.11.1938 blieb auch die Drensteinfurter Synagoge nicht verschont: Die Einrichtung wurde demoliert, Gegenstände zerstört oder entwendet.

Von der Familie Klaverkamp wurde anschließend die Synagoge erworben und diente bis in die 80er Jahre als Abstellraum. Dieser, für die historische Bausubstanz schonenden Verwendung ist es schließlich zuzuschreiben, daß sie so erhalten blieb, wie sie bei der "Reichskristallnacht" zurückgelassen wurde.

Die Stadt Drensteinfurt konnte 1988 die Synagoge von der Eigentümerin erwerben. Mit Mitteln des Denkmalschutzes wird das Gebäude erhalten werden.


Eine Übersicht sowie weitere Informationen zu Gedenkstätten aus der Zeit des Nationalsozialismus in Nordrhein-Westfalen finden Sie unter http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/drensteinfurt

Ansprechpartnerin: Frau Homann